Pressestimmen

© Schweizer Familie; 05.08.2004; Nummer 32; Seite 32

Z'Basel an mym Rhy

Im Sommer zieht es den Städter aufs Land. Am liebsten ans Wasser. Seit man aber im «Rheinbad Breite» unter freiem Himmel tafeln kann, ist es umgekehrt - die Landschäftler kommen in die Stadt.
Text: Martin JenniFotos: René Frauenfelder


Adrian Gerber ist ein Basler Original. Seine Bekleidung für das täg-liche Bad im Rhein - Badehose, Strohhut und Sonnenbrille - sorgt für Furore. Sein «Rhytaxi» ebenfalls. Nicht als Konkurrenz zu den traditionellen Fähren, die Gross- und Kleinbasel miteinander verbinden, sondern als nostalgisches Transportmittel für Verliebte und andere hoffnungslose Romantiker. Für wenig Geld schippert Adrian Gerber sie auf dem Rhein kreuz und quer, rauf und runter, hin und her.
Seit der Eröffnung des Restaurants «MS Veronica» im Rheinbad Breite ist sein Weidling mit Aussenbordmotor gefragter denn je. Eine Fahrt von der Basler Schifflände oder vom Dreiländereck dorthin kostet nur 10 Franken pro Person, sogar reservieren kann man (Telefon 079 273 47 24 oder 076 376 40 11).
Denn dort, wo früher sittsam nach Geschlechtern getrennt gebadet wurde, wo sich Herr und Frau Basler allenfalls bei Wurst und Brot kulinarisch erlabt hatten, wird heute lustvoll auf dem Sonnendeck des Rheinbads getafelt - mit Blick auf Sonnenuntergang, Münster und Schleppkähne. Die Gästeschar ist bunt gemischt: Geschäftsleute, Künstler, Rheinschwimmer und Familien.
Es ist ein erhabenes Gefühl, sich mit dem Boot der 1898 erbauten Eisenkonstruktion zu nähern. Adrian Gerber steuert sein Taxi an den Landungssteg bei der Schwarzwaldbrücke und erzählt noch einige Anekdoten zum «Rhybadhysli».

Gerettet in letzter Minute

Wie es 1986 beinahe abgerissen und erst in letzter Minute gerettet wurde. Wie sich 1994 die Stadtbevölkerung über die gelungene Renovation freute, obwohl das Rheinbad dabei um die Hälfte reduziert worden war - was böse Basler Zungen dazu veranlasste, von einer «kastrierten» Badeanstalt zu sprechen. Jedenfalls erlebt heute, zehn Jahre später, das «Rhybadhysli» mit dem Restaurant «MS Veronica» seine zweite Renaissance.
Mit viel Enthusiasmus haben Hugo Buser und seine Partnerin Sabin Rentsch in der klassischen Badeanstalt eine kulinarische Begegnungsstätte installiert. Und gaben ihr den Namen «MS Veronica», MS für Motorsegler.
Dabei ist Hugo Buser gelernter Schauspieler, Absolvent der «Desmond Jones School of Mime» in London und der «European Film Actor School» in Zürich. Doch trotz erfolgreicher Produktionen in Basel und im Theater am Neumarkt in Zürich tut er lieber seinem Ruf als Bratkünstler alle Ehre.
Ein Quereinsteiger also, der allerdings schon in jungen Jahren gern für Freunde den Kochlöffel schwang. Davon abgesehen, liegen für ihn die Schauspielkunst und die Kunst des Essens und Trinkens nahe beieinander.
Das spürt man, wenn man sein Risotto mit Kefen, Erbsen und englischer Minze geniesst. Herrlich erfrischend und verblüffend im Geschmack. Das Kochen hat er sich selbst beigebracht. Für die offizielle Anerkennung absolvierte er den kantonalen Wirtekurs.
Erfahrungen erlangte er als Gründer und Betreiber der Bar Grenzwert. Als Bratkünstler bestätigte er sich im Restaurant Schmale Wurf, im altehrwürdigen Hotel Krafft und im «Rollerhof». Kritisch beäugt von seiner Partnerin Sabin Rentsch, die sich mit ihrer Kochkunst in der lokalen Gastroszene einen Namen geschaffen hat.
Der Aufwand der letzten Jahre hat sich gelohnt. Die «MS Veronica» ist eine Erfolgsgeschichte. Die ausgesprochen freundliche Crew mit Mitköchin Claudia Granacher, Anna, Francesca und Tina trägt dazu bei, dass trotz durchzogenem Sommerwetter halb Basel mit auf lukullische Entdeckungsfahrt geht.
Was ab 9 Uhr morgens als Sonnendeck dient, wird ab 7 Uhr abends zum Speisedeck für 50 Gäste. Man isst und geniesst, mit einer Brise Wind im Gesicht. Die Karte ist klein, die Speisen sind saisonal, leicht und kreativ und alles andere als abgehoben. Weder bei den Gewürzen noch bei den Preisen.
Geöffnet je nach Wetter

Der lauwarme Bohnensalat mit gebratenen Rougetfilets, das zarte und saftige Schweinskotelett oder die indonesische Fischsuppe sind ein Sommertraum. Von den Desserts ganz zu schweigen.
Je nach Lust und Laune wechselt das Angebot, meist alle zwei bis drei Wochen. In den Genuss der überzeugenden und auch bezahlbaren Weine kommt man allerdings nur abends. Zu den vorzüglichen kleinen Mittagsmenüs, wie etwa der «Tomatenkäsewaaie mit Gartensalat», muss man sich mit einem Glas Wasser be-gnügen. Diese vom Kanton Basel verordnete erzieherische Massnahme soll etwaige spontane Rheinschwimmer davor bewahren, in der Folge übermässig Rheinwasser zu schlucken.
Abends ist es nicht die Basler Regierung, sondern die Schiffscrew, die um 17 Uhr über die tägliche kulinarische Zukunft bestimmt: Ob die Kombüse wegen drohenden Wassers von oben geschlossen werden muss. Oder ob die «Veronica» alle Segel setzt und in eine traumhafte kulinarische Flussfahrt sticht. Rheinbad Breite - Schiff ahoi!

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